ÜBER

Musica getutscht (nach Sebastian Virdung 1511) ist in Bremen zu Hause


Es widmet sich der historisch informierten Aufführungspraxis und spielt in einer Besetzung von 3 bis 8 Musiker*innen ohne Dirigent*in.


Musica getutscht möchte Alte Musik nicht nur als wohl geordnetes Gebilde aus Tönen sehen, sondern als Produkt von Kultur und Systemen, das vor allem im Kontext ihrer Zeit die vollständige Wirkung entfalten kann.  


Initiiert vom Lautenisten Bernhard Reichel, hat sich „Musica getutscht“ auf Musik von 1500 bis 1650 spezialisiert und zum Ziel gesetzt, diese 150 Jahre intensiv zu studieren – nicht nur um Musik möglichst historisch informiert wieder zu geben, auch um dem Publikum den kunsthistorischen, politischen und philosophischen Rahmen zu zeigen, mit dem sie so eng verknüpft ist. 


Neben Konzerten bei Veranstaltern und Festivals in ganz Deutschland betreut das Ensemble einen eigenen Konzertzyklus in Bremen und Oldenburg und kooperierte mit Solist*innen wie u.a. Marie Luise Werneburg, Erika Tandiono, Anna Kellnhofer, Pia Davila, Mirko Ludwig, Claudius Kamp und Mirjam- Luise Münzel. 

Neue Videos


Sigismondo d'India 

Piange Madonna (1609)


Erika Tandiono // Sopran

Bernhard Reichel // Chitarrone


Aus dem Programm Caravaggios Narziss und die Vanitas

Sigismondo d'India 

O Primavera (1609)


Erika Tandiono // Sopran

Bernhard Reichel // Chitarrone



Girolamo Frescobaldi

Ipsi sum desponsata (1627)


Erika Tandiono // Sopran

Bernhard Reichel // Chitarrone

AKTUELL

Caravaggio & Monteverdi 2021: Das Erwachen der Emotion

Konzertzyklus in Bremen und Oldenburg


2021 jährt sich zum 450. Mal der Geburtstag eines der berüchtigtsten Maler der Kunstgeschichte: Michelangelo Merisi da Caravaggio. Er prügelte und trank, war wegen Todschlags auf jahrelanger Flucht und ließ Sexarbeiter*innen für die Heiligenfiguren seiner Gemälde Modell stehen.


Dieser faszinierende Künstler brachte einige revolutionären Neuerungen in die Malerei ein, die genau mit der radikalen Wende zusammenfielen, die sich zur gleichen Zeit in der Musikwelt vollzog: Während Caravaggio mit seiner realistisch-dramatischen Helldunkel-Malerei zur Geburt des Barocken in der bildenden Kunst beitrug, krempelte Claudio Monteverdi die Musikwelt um... 


„...dass man mit den Weinenden weine und den Lachenden lache!“ - Horaz 


Um 1600 rückte das Interesse an der Darstellung und Übertragung der Affekte so stark in den Vordergrund von Kunsttheorie und künstlerischer Praxis, dass man von einem veritablen „Zeitalter der Affekte“ sprechen kann: Das Publikum wollte Gefühl sehen und hören! Und die Künstler natürlich ebenfalls.


Was Autoren des Altertums vor allem in der Dichtkunst gefordert hatten – dass sie nicht nur belehren (docere) und erfreuen (delectare), sondern auch emotional bewegen (movere) möge – , wurde mit Caravaggio und Monteverdi auch charakteristisch für die barocke Malerei und Musik. Beide entwickelten neuartige Kunstkniffe, die es überhaupt erst ermöglichten, die Darstellung des Seelenlebens auszuloten, Grenzen des Visionären und Ekstatischen zu tangieren und die psychischen Aspekte des Lebens komplexer und nuancierter in Bild und Klang umzusetzen, als das je zuvor versucht worden war. 


Der Konzertzyklus von „Musica getutscht“ in Bremen und Oldenburg soll nun auch dem heutigen Publikum einen Eindruck davon vermitteln, wie diese beiden revolutionären Künstler zeitgleich die künstlerische Nachwelt prägten. Dafür stellen wir in unserer Konzertreihe Kompositionen Monteverdis und seiner Zeitgenossen jeweils Bilder von Caravaggio gegenüber, so dass erkennbar wird, wie ähnlich diese Emotionalisierung in Musik und bildender Kunst seinerzeit vor sich ging. 











13. und 14. Februar 2021 

Madonna e Maddalena in stile recitativo

mit Pia Davila // Sopran


26. und 27. Juni 2021

Caravaggios Narziss und die Vanitas

mit Erika Tandiono & Anna Kellnhofer // Sopran


24. und 25. September 2021

La Capella di Monteverdi

mit Mirjam - Luise Münzel // Blockflöte & Violoncello

und Claudius Kamp // Dulzian & Blockflöte


20. und 21. November 2021

Amor vincit omnia!

mit Mirko Ludwig & Christian Volkmann // Tenor

G. Frescobaldi- Cosí mi disprezzate (1630)

Viola Blache- Sopran, Bernhard Reichel- Chitarrone, Julius Lorscheider- Cembalo