Caravaggio & Monteverdi 2021: Das Erwachen der Emotion

Konzertzyklus in Bremen und Oldenburg


2021 jährt sich zum 450. Mal der Geburtstag eines der berüchtigtsten Maler der Kunstgeschichte: Michelangelo Merisi da Caravaggio. Er prügelte und trank, war wegen Todschlags auf jahrelanger Flucht und ließ Sexarbeiter*innen für die Heiligenfiguren seiner Gemälde Modell stehen.


Dieser faszinierende Künstler brachte einige revolutionären Neuerungen in die Malerei ein, die genau mit der radikalen Wende zusammenfielen, die sich zur gleichen Zeit in der Musikwelt vollzog: Während Caravaggio mit seiner realistisch-dramatischen Helldunkel-Malerei zur Geburt des Barocken in der bildenden Kunst beitrug, krempelte Claudio Monteverdi die Musikwelt um... 


„...dass man mit den Weinenden weine und den Lachenden lache!“ - Horaz 


Um 1600 rückte das Interesse an der Darstellung und Übertragung der Affekte so stark in den Vordergrund von Kunsttheorie und künstlerischer Praxis, dass man von einem veritablen „Zeitalter der Affekte“ sprechen kann: Das Publikum wollte Gefühl sehen und hören! Und die Künstler natürlich ebenfalls.


Was Autoren des Altertums vor allem in der Dichtkunst gefordert hatten – dass sie nicht nur belehren (docere) und erfreuen (delectare), sondern auch emotional bewegen (movere) möge – , wurde mit Caravaggio und Monteverdi auch charakteristisch für die barocke Malerei und Musik. Beide entwickelten neuartige Kunstkniffe, die es überhaupt erst ermöglichten, die Darstellung des Seelenlebens auszuloten, Grenzen des Visionären und Ekstatischen zu tangieren und die psychischen Aspekte des Lebens komplexer und nuancierter in Bild und Klang umzusetzen, als das je zuvor versucht worden war. 


Der Konzertzyklus von „Musica getutscht“ in Bremen und Oldenburg soll nun auch dem heutigen Publikum einen Eindruck davon vermitteln, wie diese beiden revolutionären Künstler zeitgleich die künstlerische Nachwelt prägten. Dafür stellen wir in unserer Konzertreihe Kompositionen Monteverdis und seiner Zeitgenossen jeweils Bilder von Caravaggio gegenüber, so dass erkennbar wird, wie ähnlich diese Emotionalisierung in Musik und bildender Kunst seinerzeit vor sich ging. 











13. und 14. Februar 2021 

Madonna e Maddalena in stile recitativo

mit Pia Davila // Sopran


26. und 27. Juni 2021

Caravaggios Narziss und die Vanitas

mit Marie Luise Werneburg & Anna Kellnhofer // Sopran


24. und 25. September 2021

La Capella di Monteverdi

mit Mirjam - Luise Münzel // Blockflöte & Violoncello

und Claudius Kamp // Dulzian & Blockflöte


20. und 21. November 2021

Amor vincit omnia!

mit Mirko Ludwig & Christian Volkmann // Tenor

AKTUELL

ÜBER

Musica getutscht (nach Sebastian Virdung 1511) ist auf italienische Musik von 1500 bis 1650 spezialisiert.


Es widmet sich der historisch informierten Aufführungspraxis und spielt in einer Besetzung von 3 bis 8 Musiker*innen ohne Dirigent*in.


Initiiert wurde das Projekt von dem Lautenisten Bernhard Reichel, der gemeinsam mit dem Cembalisten Julius Lorscheider das instrumentale Fundament des Ensembles bildet.  Dazu kommen je nach Art des Repertoires und des Programms unterschiedliche Vokal- und Instrumentalsolist*innen.


"Musica getutscht" möchte keine Unterhaltung gegen Geld anbieten, sondern aussagekräftige Musik, auf hohem Niveau interpretiert und für jeden zugänglich.

Die Konzerte dauern grundsätzlich nur eine Stunde und die Zuhörer*innen erhalten eine Einführung in die dargebotenen Werke.


Im Jahr 2020 widmet sich das Ensemble mit der Sopranistin Anne Richter der Musik aus dem Umfeld von Raffael Sanzio da Urbino um 1520 und tritt bei Konzertreihen und Veranstaltern wie „Musik in den alten Heidekirchen“, den „Uckermärkischen Musikwochen“, der Landesgalerie Hannover, den „Habenhausener Schafferkonzerten“ und dem „Greifenberger Institut für Musikinstrumentenkunde“ auf.


2021 wird die Musik Claudius Monteverdis während seiner Zeit als Kapellmeister in San Marco 1613 - 1643 im Fokus des Ensembles stehen.

G. Frescobaldi- Cosí mi disprezzate (1630)

Viola Blache- Sopran, Bernhard Reichel- Chitarrone, Julius Lorscheider- Cembalo