ÜBER

Musica getutscht (nach Sebastian Virdung 1511) ist in Bremen zu Hause


Es widmet sich der historisch informierten Aufführungspraxis und spielt in einer Besetzung von 3 bis 8 Musiker*innen ohne Dirigent*in.


Musica getutscht möchte Alte Musik nicht nur als wohl geordnetes Gebilde aus Tönen sehen, sondern als Produkt von Kultur und Systemen, das vor allem im Kontext ihrer Zeit die vollständige Wirkung entfalten kann.  


Initiiert vom Lautenisten Bernhard Reichel, hat sich „Musica getutscht“ auf Musik von 1500 bis 1650 spezialisiert und zum Ziel gesetzt, diese 150 Jahre intensiv zu studieren – nicht nur um Musik möglichst historisch informiert wieder zu geben, auch um dem Publikum den kunsthistorischen, politischen und philosophischen Rahmen zu zeigen, mit dem sie so eng verknüpft ist. 


Neben Konzerten bei Veranstaltern und Festivals in ganz Deutschland betreut das Ensemble einen eigenen Konzertzyklus in Bremen und Oldenburg und kooperierte mit Solist*innen wie u.a. Marie Luise Werneburg, Erika Tandiono, Anna Kellnhofer, Pia Davila, Mirko Ludwig, Claudius Kamp und Mirjam- Luise Münzel. 

UTOPIEN 2022

Am Anfang stand eine kurze, nur gut hundertseitige Schrift aus dem Zeitalter der Renaissance. Mit seiner Erzählung von der entlegenen Insel Utopia (1516) kreierte Thomas Morus nicht nur ein neues Wort, sondern bereicherte auch zahlreiche Sprachen dieser Welt um die Vokabel. 

Aus dem Eigennamen für den Schauplatz von Morus’ Fiktion wurde bald die Bezeichnung für ein literarisches Genre, später ein allgemeiner Begriff, letztlich ein vieldeutiges Schlagwort.


Utopien sind in ihrer klassischen Ausprägung fast allesamt Gedankenexperimente, die in erster Linie der zeitgenössischen Gesellschaft den Spiegel vorhalten. Utopische Kunst führt die Rezipient*innen in alternative Welten und verfolgt damit das Anliegen, diese mit geschärften Blick in die Realität zurückkehren zu lassen. Sie erschöpft sich nicht im Porträt einer imaginären Welt, mindest ebenso bedeutsam erscheint die Diagnose der Gegenwart, die Auseinandersetzung mit den sozialen und politischen Verhältnissen der Zeit.


Dabei geht es weniger darum die geschilderte Fiktion in die Wirklichkeit zu überführen, sondern durch die Betrachtungen utopischer Welten die Defizite der Herkunftsgesellschaft umso deutlicher erkennbar zu machen. Die Aufgabe des Nachdenkens und der Bewertung wird dem Publikum übertragen und in dieser Weise ist der Aufruf zur eigenen Urteilsbildung erkennbar. Utopien sind, so gesehen, Herausforderung des Denkens und Provokation der Gegenwart. 

Sie wecken Bewusstsein, fordern Antworten und suchen Lösungen.


Mit dem Konzertzyklus „Utopien“ 2022 führt das Ensemble „Musica getutscht“ sein Publikum in imaginäre Welten der Renaissance und des Frühbarock.

Die Reise führt über die Insel „Utopia“ nach „Arkadien“, über die „Stadt der Frauen“ in „verkehrte Welten“.



22. Januar 2022 19.30 Uhr Dreifaltigkeitskirche Oldenburg

23. Januar 2022 17 Uhr St. Remberti Kirche Bremen


Vom vielfachen Laufe der Welt - Utopien der religiösen Toleranz


Mechthild Karkow // Violine

Claudius Kamp // Blockflöte

Sebastian Flaig // Perkussion

Julio Caballero Pérez // Cembalo

Bernhard Reichel // Chitarrone

21. Mai 2022 19.30 Uhr Dreifaltigkeitskirche Oldenburg

22. Mai 2022 19.30 Uhr Bremen


Ricreatione d’Arcadia - Frühbarocke Schäferidyllen 


Erika Tandiono & Cornelia Fahrion // Sopran

Alexander von Heißen // Cembalo

Bernhard Reichel // Chitarrone

20. August 2022 19.30 Uhr Dreifaltigkeitskirche Oldenburg

21. August 2022 17 Uhr St. Remberti Kirche Bremen


Querelle des Femmes - Elizabeth I. und die „Stadt der Frauen“


Emma Kirkby // Sopran

Christian Volkmann // Tenor

Nina Böhlke // Alt

Sönke Tams Freier // Bass

Julius Lorscheider // Virginal

Bernhard Reichel // Laute

8. Oktober 2022 19.30 Uhr Dreifaltigkeitskirche Oldenburg

9. Oktober 2022 19.30 Uhr Bremen


Serenata ridiculosa – Die verkehrte Welt


Magdalena Podkoscielna & Erika Tandiono // Sopran

Tobias Hechler // Alt 

Mirko Ludwig // Tenor

Sebastian Myrus // Bass 

Julius Lorscheider // Cembalo

Bernhard Reichel // Chitarrone

Neue Videos


Sigismondo d'India 

Piange Madonna (1609)


Erika Tandiono // Sopran

Bernhard Reichel // Chitarrone


Aus dem Programm Caravaggios Narziss und die Vanitas

Sigismondo d'India 

O Primavera (1609)


Erika Tandiono // Sopran

Bernhard Reichel // Chitarrone



Girolamo Frescobaldi

Ipsi sum desponsata (1627)


Erika Tandiono // Sopran

Bernhard Reichel // Chitarrone

Caravaggio & Monteverdi 2021: Das Erwachen der Emotion

Konzertzyklus in Bremen und Oldenburg


2021 jährt sich zum 450. Mal der Geburtstag eines der berüchtigtsten Maler der Kunstgeschichte: Michelangelo Merisi da Caravaggio. Er prügelte und trank, war wegen Todschlags auf jahrelanger Flucht und ließ Sexarbeiter*innen für die Heiligenfiguren seiner Gemälde Modell stehen.


Dieser faszinierende Künstler brachte einige revolutionären Neuerungen in die Malerei ein, die genau mit der radikalen Wende zusammenfielen, die sich zur gleichen Zeit in der Musikwelt vollzog: Während Caravaggio mit seiner realistisch-dramatischen Helldunkel-Malerei zur Geburt des Barocken in der bildenden Kunst beitrug, krempelte Claudio Monteverdi die Musikwelt um... 


„...dass man mit den Weinenden weine und den Lachenden lache!“ - Horaz 


Um 1600 rückte das Interesse an der Darstellung und Übertragung der Affekte so stark in den Vordergrund von Kunsttheorie und künstlerischer Praxis, dass man von einem veritablen „Zeitalter der Affekte“ sprechen kann: Das Publikum wollte Gefühl sehen und hören! Und die Künstler natürlich ebenfalls.


Was Autoren des Altertums vor allem in der Dichtkunst gefordert hatten – dass sie nicht nur belehren (docere) und erfreuen (delectare), sondern auch emotional bewegen (movere) möge – , wurde mit Caravaggio und Monteverdi auch charakteristisch für die barocke Malerei und Musik. Beide entwickelten neuartige Kunstkniffe, die es überhaupt erst ermöglichten, die Darstellung des Seelenlebens auszuloten, Grenzen des Visionären und Ekstatischen zu tangieren und die psychischen Aspekte des Lebens komplexer und nuancierter in Bild und Klang umzusetzen, als das je zuvor versucht worden war. 


Der Konzertzyklus von „Musica getutscht“ in Bremen und Oldenburg soll nun auch dem heutigen Publikum einen Eindruck davon vermitteln, wie diese beiden revolutionären Künstler zeitgleich die künstlerische Nachwelt prägten. Dafür stellen wir in unserer Konzertreihe Kompositionen Monteverdis und seiner Zeitgenossen jeweils Bilder von Caravaggio gegenüber, so dass erkennbar wird, wie ähnlich diese Emotionalisierung in Musik und bildender Kunst seinerzeit vor sich ging. 











13. und 14. Februar 2021 

Madonna e Maddalena in stile recitativo

mit Pia Davila // Sopran


26. und 27. Juni 2021

Caravaggios Narziss und die Vanitas

mit Erika Tandiono & Anna Kellnhofer // Sopran


24. und 25. September 2021

La Capella di Monteverdi

mit Mirjam - Luise Münzel // Blockflöte & Violoncello

und Claudius Kamp // Dulzian & Blockflöte


20. und 21. November 2021

Amor vincit omnia!

mit Mirko Ludwig & Christian Volkmann // Tenor

G. Frescobaldi- Cosí mi disprezzate (1630)

Viola Blache- Sopran, Bernhard Reichel- Chitarrone, Julius Lorscheider- Cembalo