Quentin Massys Donna grottesca

1520-1530, Nationalgalerie London

Serenata Ridiculosa - Die verkehrte Welt

Humoristische Madrigale und Parodien von u.a. Adriano Banchieri


Magdalena Podkoscielna & Erika Tandiono // Sopran

Tobias Hechler // Alt
Mirko Ludwig // Tenor

Sebastian Myrus // Bass

Julius Lorscheider // Cembalo

Bernhard Reichel // Chitarrone 

Die Musik dieses Programms, die leichten Canzonetten und Madrigale mit parodistischen Texten und humoristischen Themen, stammt aus dem Kontext der Unterhaltungskultur der Accademie und Ridotti (Salons) des späten 16. Jahrhunderts, die neben dem gelehrten Zeitvertreib auch heitere giuocchi (Spiele) umfasste. 


Unsinnige Inhalte wie haarsträubende Szenen aus der Commedia dell’arte, alberne Imitationen von Dialekten und Nonsense-Texte wurden mit gelehrter Polyphonie auf gewitzte Weise vertont. Ein beliebtes Thema sind die Verballhornungen von Hirtenspielen und Liebesgeschichten der Commedia dell’arte: Persiflagen auf den literarischen Liebesdiskurs der Zeit, der sich im Madrigal musikalisch ausdrückt. 


In Verteidigung der abstrusen Geschichten und musikalischen Albernheiten macht der Komponist Orazio Vecchi darauf aufmerksam, dass nach Baldassare Castiglione auch Humor Teil der noblen Lebensart ausmache, und beruft sich auf Aristoteles, laut dem Musik ohnehin nichts Anderes als Spiel oder Scherz sei.


Sinn für Humor ist für den Kunsthistoriker Erwin Panofsky kennzeichnend für die Kunst dieser Zeit. Ihm zufolge gründet dieser „auf der Tatsache, dass jemand begreift, dass die Welt nicht ganz das ist, was sie sein sollte, ohne sich darüber zu ärgern oder zu meinen, er selbst sei frei von Hässlichkeit und den großen und kleinen Lastern und Dummheiten, die er beobachtet.“  


Der adlige Klamauk und die derben Imitationen der Commedia dell’arte der einfachen Leute markieren im Kontext der adligen Musikkultur wohl eher ganz unironisch den höheren sozialen Stand. Gleichwohl mag man im Nebeneinander von Pathos und Schabernack rückblickend eine Ironie feststellen, die das Lächerliche und Absurde der Menschen zur Schau stellt, ein Motiv, das im zeitgenössischen Vanitas-Gedanken sein seriöses Pendant findet.


Dabei öffnet das aus der Literatur und bildenden Kunst stammende Motiv der „verkehrten Welt“, das sich in den musikalischen Parodien wiederfindet, immer auch Spielraum für gesellschaftliche Utopien. Im Unernst offenbart sich, dass die Welt keineswegs so sein muss, wie sie ist...