Querelle des femmes - Elizabeth I und die "Stadt der Frauen"

Werke von John Dowland


Emma Kirkby // Sopran

Christian Volkmann // Tenor

Nina Böhlke // Alt
Sönke Tams Freier // Bass

Julius Lorscheider // Virginal

Bernhard Reichel // Laute 

Your fault being greater, why should you disdain

Our being your equals, free from tyranny?“

Emilia Lanier, 1611


Im Jahr 1407 erschien mit dem „Livre de la Cité des Dames“ (Buch von der Stadt der Frauen) der Autorin Christine de Pizan die erste feministische Utopie der europäischen Literatur. Es fungierte als Ausgangspunkt der epochen- und länderübergreifenden „Querelle des Femmes“ – der Kritik an der vorherrschende Geschlechterordnung.

Die mit der Autorin identisch gedachte Ich-Erzählerin berichtet dabei, wie ihr in ihrer Wut und Verzweiflung drei vornehme Damen erscheinen: die Vernunft, die Rechtschaffenheit und die Gerechtigkeit. Diese machen ihr Mut und verkünden den Bau einer Stadt der Frauen, die eine Zuflucht bieten solle vor den Verleumdern und Hassern des weiblichen Geschlechts.


Etwa 200 Jahre später wird die blutjunge Elizabeth zur Königin Englands gekrönt. In ihrer Rolle als Monarchin wird ihr das spätmittelalterliche Buch zu einem Leitfaden im Umgang mit der damalig vorherrschenden Misogynie. Als ständige Mahnung diente ihr eine eigens angefertigte Tapete mit Motiven des Werks Christine de Pizans. Anlässlich der Regentschaft Elizabeths bekam die „Querelle“ erneuten Aufschwung: Zahlreiche Autorinnen wie Emilia Lanier und Isabella Whitney verfassten protofeministische Streitschriften als Antwort auf zahlreiche frauenfeindliche Tiraden, die Elizabeth erdulden musste.


Das Programm erzählt vom goldenen elisabethanischen Zeitalter aus allerdings männlicher Perspektive, dem „male gaze“: John Dowlands Songs berichten von Elizabeths Stilisierung zur Virgin Queen, vom Vergleich zu mythologischen Figuren wie Daphne und Cynthia, von Elizabeths verhängnisvoller Beziehung zu dem Earl of Essex und letztendlich von John Dowland äußerst persönlicher Wahrnehmung der Königin, zwischen Vergötterung und Verschmähung, Misogynie und Bewunderung.