Caravaggio, Narziss 1597,

Galleria Nazionale d'Arte Antica

Caravaggio, Narziss und die Vanitas – zum 450. Geburtstag des Malers

Marie Luise Werneburg & Anna Kellnhofer // Sopran

Bernhard Reichel // Chitarrone
Julius Lorscheider // Cembalo


26.6.2021 19:30 Uhr 

Dreifaltigkeitskirche, Cloppenburger Str. 23, 26135 Oldenburg

27.6.2021  17 Uhr 

St Ansgarii Kirche Bremen, Schwachhauser Heerstraße 40, 28209 Bremen

Der selbstverliebte Narziss erblickt sein Spiegelbild im Wasser und ist bezaubert. Er identifiziert sich so sehr mit seiner vergänglichen Schönheit, macht seine Existenz von diesem Vergänglichen so abhängig, dass es ihn am Ende das Leben kostet: Als ein Blatt ins Wasser fällt und die Wellen sein Spiegelbild verzerren, ist er von dieser Hässlichkeit schockiert und stirbt. Bei Caravaggio ist es Narziss selbst, der die Zerstörung herbeiführt: Der Maler zeigt ihn in eben dem spannungsreichen Moment der Katastrophe, in dem er – sein Spiegelbild streichelnd? – die Wasseroberfläche zu berühren droht. 


„Die Zeit zerschlägt alles - Heut' sind wir Licht, und morgen Schatten...“ – Angelo Grillo 


Mit seinem Narziss warnt Caravaggio also, das Leben nicht an Vergängliches zu hängen, und verarbeitet so eines der wichtigsten künstlerischen Motive seiner Zeit: die Vanitas, den Ausdruck der Vergänglichkeit des Irdischen. 

Eben dieser Kontrast von Schönheit und Vergänglichkeit, von Lebendigkeit und Tod ist der rote Faden unseres Programms, in dessen Mittelpunkt die Komponisten Girolamo Frescobaldi und Sigismondo d'India stehen. Beide vertraten die Musikrevolution um 1600 in Caravaggios Lebensstationen Rom und Neapel. Und in ihren Werken erkennt man:  Auch in der vertonten Poesie der Zeit ist das Vergänglichkeitsmotiv omnipräsent – ob in Gesängen auf die Schönheit, in Magdalenen- oder Marienklagen, oder in der Liebeslyrik. 


Mit den modernen musikalischen Mitteln und neuartigen Zusammenklängen der seconda pratica erklingt die Vanitas jedoch in der nie da gewesenen Unmittelbarkeit, die wir von Caravaggios Gemälden kennen.