Musica getutschts Melancholia

Zum 400. Todestag John Dowlands

Musik von John Dowland und Carlo Gesualdo

12. Juni 2026 | 20 Uhr

Sendesaal

Bügermeister-Spitta-Allee 45, 28329 Bremen

Hana Blažíková | Sopran

Terry Wey | Alto

Mirko Ludwig | Tenor

Loïc Paulin | Tenor

Dominik Wörner | Bass


Bernhard Reichel | Laute & Leitung

„Warum ist es so, dass alle, die in der Philosophie, der Politik, der Dichtkunst 

oder den Künsten herausragend geworden sind, offenkundig Melancholiker sind?“

– Aristoteles, Problemata


Im zweiten Konzert begegnen sich drei herausragende und berüchtigt wahnsinnige Künstler des Frühbarock: die Komponisten John Dowland und Carlo Gesualdo sowie der Dichter Torquato Tasso. Alle drei verfielen der Melancholie – ihre Geschichten endeten in Mord, geistigem Verfall oder tiefstem Weltschmerz. Und dennoch sind sie Beispiele der Grande Follia – des erhabenen, göttlichen Wahnsinns, der bis heute den Mythos des Genies prägt. Genie und Wahnsinn liegen hier nah beieinander, ihre kühnen Werke sind Zeugnisse dieses ekstatischen Grenzgangs.


Unter der Leitung des Lautenisten Bernhard Reichel erklingen – mit einem erlesenen Ensemble, angeführt von der tschechischen Starsopranistin Hana Blažíková – die hochchromatischen Madrigale des mordenden Fürsten Gesualdo, umrahmt von John Dowlands ikonisch-melancholischen Lautenliedern.

John Dowland (1563–1626) war der Inbegriff der melancholischen Künstlerseele der Renaissance.

Hinter seinen kunstvoll traurigen Lautenliedern verbarg sich eine tiefe innere Zerrissenheit: Verfolgungsängste, Selbstzweifel und unaufhörliche Schwermut quälten ihn sein Leben lang. Sein „Wahnsinn“ war subtil, ein stetiger, dunkler Strom aus Einsamkeit, Verzweiflung und innerer Unruhe, den er in unvergängliche Musik verwandelte.

Carlo Gesualdo (1566–1613) war ein italienischer Fürst, Lautenist und Komponist der Spätrenaissance, berühmt für seine extrem expressiven Madrigale und seine düsteren Lebensumstände. Seine Musik gilt als radikal für ihre Zeit – voller schroffer Dissonanzen, unerwarteter Harmoniewechsel und intensiver emotionaler Kontraste.

Gesualdos Name ist aber nicht nur durch seine Kunst, sondern auch durch sein persönliches Drama bekannt: 1590 ermordete er seine untreue Ehefrau Maria d’Avalos und ihren Liebhaber in einem Akt blutiger Eifersucht. Danach zog er sich zunehmend in Isolation auf sein Schloss in Gesualdo zurück, wo er sich mit religiösen Bußritualen und musikalischen Experimenten beschäftigte.

Torquato Tasso (1544–1595), einer der bedeutensten Dichter der Spätrenaissance, litt unter schweren psychischen Krisen, die sich im Laufe seines Lebens immer stärker zuspitzten. Schon in jungen Jahren zeigte er Anzeichen von Verfolgungswahn, religiösem Fanatismus und extremer Empfindsamkeit. Er war überzeugt, von Feinden verfolgt, vergiftet oder vom Teufel bedroht zu werden. Seine Angst vor Sünde und göttlicher Verdammnis trieb ihn zu manischen Beichten und Ausbrüchen von Misstrauen selbst gegenüber Freunden und Gönnern. Nach heftigen Wutausbrüchen und Gewaltausfällen – unter anderem gegen einen Diener – wurde er 1579 in die Anstalt des Hospitals Sant’Anna in Ferrara eingewiesen, wo er sieben Jahre unter teils elenden Bedingungen blieb.

PROGRAMM


Introduction 


Luca Marenzio

- Alas, what wretched life (1590)

John Dowland

- Go crystal tears (1597)

- In Darkness let me dwell (1610)

- Come heavy sleep (1597)


The Anatomy of Melancholy 


John Dowland

- I saw my Lady weep (1600)

- A Fancy

- Flow my tears (1600)

- Sorrow stay (1600)

- A Fantasie

- Dye not before thy day (1600)

- Mourn, mourn (1600)


„Ein tobender Irrer“ - Torquato Tasso


Carlo Gesualdo

- Gelo ha Madonna il seno (1594) (Text: Torquato Tasso)

- Se così dolce è il duolo (1594) (Text: Torquato Tasso)

- Non è questa la mano (1594) (Text: Torquato Tasso)


„Death for five Voices“ - Carlo Gesualdo


Carlo Gesualdo

- Tu m’uccidi, o crudele (1611) 

- Moro, lasso, al mio duolo (1611)


Antidotum | Gegengift


Überraschungsstück