„Was ist das Leben des Menschen anderes als ein Schauspiel, in dem jeder in einem anderen Kostüm auftritt?
Wie in einem Theater, wo der eine als König, der andere als Bauer, der eine als Soldat, der andere als Priester,
der eine als Dichter, der andere als Bauer auftritt, bis sie der Regisseur von der Bühne weist.“
— Erasmus von Rotterdam, Lob der Torheit
Inspiriert von Erasmus’ berühmtem Lob der Torheit entwirft dieses szenische Musiktheater in der Bremer Schaulust eine barocke Welt voller Narren, regiert von Torheit und Exzess. In einer absurden, fragmentierten Szenerie verweben sich kontrastreiche musikdramatische Miniaturen und kurze Opern des italienischen Frühbarock.
Mit seinem „Käfig voller Narren“ möchte das Ensemble Musica getutscht den „alltäglichen Wahnsinn“ des menschlichen Lebens in den Mittelpunkt stellen – humorvoll, sinnlich und zugleich berührend. Ausgangspunkt ist das barocke Lebensgefühl, das die Widersprüchlichkeit des Daseins feiert: Schönheit und Absurdität, Ordnung und Chaos, Vernunft und Leidenschaft.
Das barocke Motto „Questo mondo è come una gabbia de matti“ (Diese Welt ist wie ein Käfig voller Narren) bildet dabei den künstlerischen Leitgedanken.
Claudio Monteverdis berühmtes Combattimento di Tancredi e Clorinda und Lamento della Ninfa stehen im Zentrum – flankiert von grotesken Karnevalsstücken, haarsträubenden Liebeleien und religiösen Ekstasen. Ein Theaterspiel des Lebens, in dem der Wahnsinn als treibende Kraft wirkt.
Programm in alphabetischer Reihenfolge:
Anonym: Passacaglia della Vita & Follia del Mondo (1657)
Zwei geistliche Lieder, tief verwurzelt im Volkston, werfen einen schonungslosen Blick auf die menschliche Existenz: Die Passacaglia della Vita zieht eine düstere Bilanz – was ist das Leben anderes als ein trügerischer Tanz auf dem Abgrund des Todes? Die Follia del Mondohält uns den Spiegel vor: Wir leben inmitten des Wahnsinns – lachend, liebend, leidend.
Adriano Banchieri: Contraponto bestiale alla mente (1608)
Eine Katze, ein Hund, eine Eule und ein Kuckuck improvisieren einen Kontrapunkt über einen cantus firmus – tierisch virtuos und komisch zugleich.
La Ciaconna eterna (Musik von u.a. Tarquinio Merula und Claudio Monteverdi)
Über dem ewig kreisenden Rhythmus der Ciaconna entfaltet sich ein Reigen menschlicher Leidenschaften: Ein Ehepaar gerät in Zorn, zwei Jünglinge schwelgen in der Erinnerung, Engel und Dämon kämpfen um Seelen – ein ewiges Schauspiel auf dem Klangteppich der Zeit.
Il Fasolo: Bergamasca: La Barchetta Passaggiera
Menschen verschiedenster Herkunft versammeln sich zur fröhlichen Bootsfahrt, beladen mit kulinarischen Schätzen. Doch das Unterfangen gerät aus den Fugen – und endet im Chaos.
Claudio Monteverdi: Combattimento di Tancredi e Clorinda (1638)
Während des Ersten Kreuzzugs hält der christliche Ritter Tancredi die sarazenische Kriegerin Clorinda – seine Geliebte aus dem feindlichen Lager – in ihrer Rüstung für einen Mann und fordert sie zum Duell. Er verwundet sie tödlich und erkennt sie erst, als er ihr den Helm abnimmt. Vor ihrem Tod bekehrt sich Clorinda zum christlichen Glauben.
Claudio Monteverdi: Lamento della Ninfa (1638)
Eine Nymphe klagt einsam und verlassen über den Verlust ihres Geliebten.
Paolo Quagliati: Il carro di fedeltà d’amore (1606)
Der Wagen der Liebestreue rollt heran – gezogen von Göttern und begleitet von Mythen:
Apollo, vom Licht erfüllt, liebt Amarillys, die Blume der Nacht. Amore, Orfeo und Plutone ehren diese bizarre Verbindung, doch Fama – Hüterin des Ruhms – zweifelt. Erst als selbst sie sich überzeugen lässt, erhebt sich ein festlicher Gesang auf die unwahrscheinlichste aller Lieben.